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Kellernacht 2010

 

Weidenberger Kellernacht

Weidenberger Kellernacht

Artikel vom: 17.07.2010
Quelle:         Nordbayerischer Kurier

WEIDENBERG. Kreuzberger Nächte sind bekanntlich lang, Weidenberger Kellernächte mitunter auch. Das vierte Spektakel für Nachtschwärmer im historischen Sandsteinensemble des Oberen Marktes jedenfalls war ein furioser Auftakt für den drei Tage dauernden Feiermarathon, der am Sonntag mit dem Kinderprogramm des ersten Bürgerfestes seinen Abschluss finden wird.

Es war eine tropische Nacht, die den rund 1000 Weidenbergern und Gästen beschert wurde. Den Auftakt bildete Iris Meier mit lustigen Liedern aus den verrückten Zwanziger Jahren.  Die in Bayreuth geborene Sopranistin besang im schwül-warmen Schlosskeller, begleitet von Helene Frucht am Piano, Frauen, die keine Engel und Männer, die alle Verbrecher sind. Iris Meier konnte bei dieser Feststellung sogar das begeisterte Publikum zum Mitsingen animieren.

Kurz nach 20 Uhr dann läuteten die Bayreuther Katzbalger mit einigen Salutschüssen die Kellernacht ein, die noch nie so viele Besucher hatte wie in diesem Jahr. Acht Keller hatten geöffnet, in einigen spukte sogar der Kellergeist des alten Küchenmeisters von Schlossherr  Ludwig Christoph von Künsberg, im Gewölbe unter der Wildmeisterei waren erstmals Obertongesänge zu hören, die den Besuchern absolute Stille abforderte.  Die Besucher zwängten sich durch die engen Gewölbeeingänge aus Granit und Sandstein, um sich selbst ein Bild von der Weidenberger Unterwelt zu machen.

Mittelalter ist Trumpf

Vieles, was dargeboten wurde, war auf Mittelalter getrimmt. Die historisch gewandete Kantorei begeisterte das Publikum mit Minnesang, die Gruppe Ars Florio zog mit Davultrommel, Schalmai, und Nyckelhapa durch die Gassen. Mittelalterlich geprägt war auch das Programm, das die Nachwuchsrockband Schall & Rauch zum Besten gab. Historica Widenbergensis hatte an den alten Fleischbänken ein Feldlager aufgebaut und die Bayreuther Katzbalger als deren Gäste hatten „Walter den Schmied“ mitgebracht, dem Sohn Thomas, Gernot Kolaczek und Dirk Schaller an Esse und Amboss behilflich waren. Am Alten Schloss sang der Männerchor und drinnen im ersten Stock berichtete Lokalhistoriker Norbert Sack, der mit Roland Seiler und Werner Schamel zu den Hauptorganisatoren des Abends zählte, von einer Exkursion nach Schloss Thumsenreuth, wo man auf sechs alte Gemälde stieß, die das Weidenberger Adelsgeschlecht derer von Lindenfels zeigen. Inzwischen liegen von Seiler angefertigte Reproduktion der lebensgroßen Portraits vor, die an diesem Abend ausgestellt und erläutert wurden.

Wetter passte perfekt

Das Wetter lud geradezu zu einer Freiluftparty ein. So war es kein Wunder, dass schon  zu Beginn dieser  „Nacht der Nächte“  die Bierbänke vor dem Rathaus, rund um das Eschighaus am Gurtstein, am Bürgerhaus, am Rittergut und sogar vor dem Militärhistorischen Museum dicht besetzt, das mit seinem Keller erstmals geöffnet hatte. Der Gerstensaft floss in Strömen und der Besucheransturm brachte die Schankkellner von Gesangverein und Sanitätskolonne ganz schön ins Schwitzen. Schon gegen 22 Uhr waren die „Bratwerscht“ bei der Jugendfeuerwehr samt „Laabla“ ausverkauft. Die Besucher drängten sich vor dem Flohmarkt in der Oberen Marktstraße, dessen Erlös  der Diakoniestation zugute kommt. Man saß auf Mauern und Treppen und mit etwas Phantasie  war der Hauch einer florentinischen Nacht zu spüren, zumal die Damen von Spettacolo Cortigiano Tänze aus der Renaissance beisteuerten. Durch den in gelbliches Licht getauchten Obermarkt führte Thorstten Neukam als Nachtwächter. Höhe- und Schlusspunkt war die große Feuershow des Gauklers Rebasius Funkenflug (40). Der fingerfertige Jongleur war dazu eigens aus Niedersachsen ins Steinachtal gekommen. Hätte es noch echtes Kellerbier gegeben, wäre die Kultveranstaltung vollkommen gewesen. Text und Foto: Otto Pilz